EIN  BÜRGER  DIESER  WELT

Antwort auf Leitartikel von Barazon in der SN vom 19.2.2000
 

Sehr geehrter Herr Barazon!

Ich kann mich mit Ihrem Artikel nicht identifizieren.

Ich bin Erstgenerationsoesterreicher, trage einen Italienischenn Namen,
bin nach dem Krieg geboren, habe im In- und Ausland studiert, spreche
mehrere Sprachen und fuehle mich nicht als Europaeer, sonder als Buerger
dieser Welt. Wie kommen manche Mitbuerger dieser Welt und vor allem der
europaeschen Gemeinschaft dazu, mir, da ich nun mal in Oesterreich
geboren bin - eher ein Zufall als eine schuldhaftes Verhalten - 1. eine
Generationenschuld anzulasten, 2. als Oesterreicher einen Hang zum
Nazismus oder Faschissmus (nicht zum tollerierten Stanlinismus)
nachzusagen und  mich 3.gesetzeswidrig auszugrenzen. Gerde dieses
Verhalten wuerde als intollerant und nationalistisch bezeichnen. Ich
habe als Individuum mit obigen Charakteristiken mit dem Holocaust
ebensowenig zu tun wie Italiener, Franzosen, Briten oder Amerikaner aus
meiner Generation. Wir sollten endlich mit dem Spiel der Sippen- oder
gar Generationenhaftung aufhoeren und unsere Kraefte dem Aufspueren von
Intolleranz, Gewalt, Menschenverachtung politischer und wirtschaftlicher
Couleur in der heutigen Zeit widmen. Oesterreich ist durch die letzte
Nationalratswahl nicht zu einer Bananenrepuplik geworden, auch wenn dies
von innenpolitischen Kraeften mit offensichtlicher Intention im Ausland
kolportiert wird. Es erfuellt mich eher mit Schrecken, wie intollerant
und gewaltbereit eine  SPOE, die ihr Klientel, glaubt man an
Waehlerstromanalysen, in erster Linie an die FPOE verloren hat,
reagiert. Demokratisch gewaelte Regierungen durch  Minderheiten ueber
die Strasse und das Ausland zu Fall bringen zu wollen erinnert mich eher
an die Zwischenkriegszeit und  gehoert nicht zu anerkannten Mechanismen
einer modernen Demokratie. Sollte diese im oesterreichischen Volk
breitgestreute Botschaft von uns selbst und vom Ausland nicht verstanden
werden, fuerchte ich nicht nur um die Demokratie in Oesterreich sonder
auch um das "vereinigte Europa"

Dr. Clemens Menapace