Salzburg am 5. .Februar 2000
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Sehr geehrter Herr Bundepräsident!
Als ehemaliger Unterstützer Ihrer
Präsidentschaft bin ich über Ihr Verhalten bei der Findung
der neuen Regierung bitter enttäuscht. Nicht nur haben Sie sich aus
mir nicht näher ersichtlichen Gründen von vorne herein auf eine
rot-schwarze Koalition festgelegt, sondern Sie haben durch Ihr Verhalten
dem Land Österrreich und seinem Volk großen Schaden zugefügt.
Wie immer man über die Freiheitliche Partei Österreichs denken
mag so ist sie doch in einer demokratischen Wahl von 27% der Österreicher
gewählt worden. Mag sein das dies zum großen Teil Protestwähler
sind, aber sie hatten sicherlich hinreichende Gründe für
ihr Wahlverhalten, vor allem jene, die die SPÖ verlassen haben, wie
Wählerstromanalysen zeigten. Es war aber ein noch größerer
Fehler, daß Sie sich in die Reihe der politischen Amokläufer
eines sozialistisch-lastigen Europas gestellt haben, indem Sie offensichtlich
wiederwillig und unter Abgabe von für Österreich schädlichen
Erklärungen letzlich doch diese Regierung vereidigt haben. Wir sind
ein Land mit einer langen demokratischen Tradition und einem Volk, das
daran glaubt, daß die Macht von ihm als Souverän ausgeht. Jeder,
der diesem Prinzip nicht treu bleiben kann, weil mit seinem Gewissen nicht
vereinbar, sollte ehrlicherweise aus seiner politischen Funktion
ausscheiden oder diese zurücklegen. . Ihre Aufgabe in diesen für
Österreich so schwierigen Tagen wäre es gewesen, über
den Parteien zu stehen, den Zusammenhalt im Lande zu fördern und uns
gegen politische Agitation und maßlose Übergriffe aus In- und
Ausland zu schützen. So hat man eher den Eindruck gewonnen, daß
Sie uns Österreicher im Stich gelassen und letztlich verraten haben.
Noch will ich nicht glauben was immer öfter in öffentlichen
Medien kolportiert wird, Sie hätten sich selbst an der Agitation
einzelner österreichischer, politischer Gruppen und Persönlichkeiten
im Ausland gegen Österreich beteiligt , und hoffe, daß die Geschichte
mich nicht eines besseren belehrt. Andernfalls wäre das Amt des Bundespräsidenten
so beschädigt, daß wohl die einzige Lösung seine Abschaffung
wäre. Es kann und darf nicht sein, weder heute noch in Zukunft,
daß ein Vereintes Europa Österreich oder einen anderen souveränen
Staat unter Vorgabe welcher Gründe auch immer in erpresserischer Weise
daran zu hindern sucht, eine in freien und demokratischen Wahlen gewählte
Regierung zu installieren. Wer sich mit diesem grundlegenden Prinzip der
Demokratie und unserer Verfassung nicht mehr identifizieren kann sollte
daraus persönliche Konsequenzen ziehen.
Dr. MENAPACE Clemens